Eisige Grüsse aus Texas

Posted by on 26. November 2013

Trotz den Verlusten in Mexico wollen wir uns von ein paar Bandidos nicht geschlagen geben. Obwohl es sich auf dem Handy leider nicht mehr so gut tippen lässt wie auf dem Laptop und auch andere Hilfsmittel fehlen, wollen wir versuchen bis zum Ende unsere Reise weiter spannende Berichte zu verfassen. Tippfehler seien verziehen.
Nach einem glücklicherweise problemlosen Wiedereintritt aufs amerikanische Terretorium führt uns unser Weg nach Tucson. Ein wenig ausserhalb der Stadt zeigt Tripadvisor eine spannende Sehenswürdigkeit: Eine ehemalige Titan II Raketen Stellung aus den Zeiten des kalten Krieges. Nichts wie hin also! Bei der Titan II handelt es sich um die grösste nukleare Interkontinentalrakete aus dieser Zeit. Mit Sage und Schreibe 32 m Höhe wurde diese Trägerrakete auch benutzt um im Gemini Raumfahrtsprogramm Astronauten ins All zu schicken.

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Titan II Rakete im Startsilo

Die ganze Anlage ist darauf ausgelegt einem nuklearen Erstschlag der Sovietunion zu wiederstehen und ist daher an riesigen Federn unter der Erde aufgehängt. Dies soll die Erschütterungen beim Einschlag dämpfen. Auf der äusserst spannend gestalteten Führung erfahren wir bei einem simulierten Raketenabschuss mehr über die Technik. Wahnsinn an was die Ingenieure dieser Zeit alles gedacht haben.

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Simulierter Raketenstart im Kommandoraum

Nochmals kommen wir später der mexikanischen Grenze bei El Paso sehr nahe. Passend hierzu verschlechtert sich auch das Wetter und die einst sommerlichen Temperaturen sinken dramatisch. Auf dem Freeway ist bald zu lesen: “Icy road conditions ahead. Stay in El Paso”. Auf diesen Touristenfänger fallen wir nicht herein denken wir uns und fahren nach einer kleinen Mahlzeit in einem Truckstop weiter Richtung Van Horn.

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Typische amerikanische Zwischenverpflegung

Hätten wir doch bloss den Wetterbericht studiert. Denn genau zu dieser Tage zieht ein beachtlicher Wintersturm quer durch Texas. Haupthema in den News, irgendwie aber komplett an uns vorbeigegangen und ignoriert. Kaum haben wir El Paso verlassen beginnt es zu Regnen und es wird bitterkalt. Der Verkehr kommt ins stocken und wir geraten in einen Stau. Wahrend wir so schlotternd in der Blechlawine stehen bemerken wir wie sich der Regen in Eis zu wandeln beginnt sobald er auf eine feste Oberfläche trifft. Suboptimal wenn man auf zwei Rädern unterwegs ist. Uns wird klar dass wir schleunigst den rettenden Hafen Van Horn erreichen müssen um Schlimmeres zu vermeiden. So beginnen wir uns irgendwie zwischen den stehenden Fahrzeugen vorbeizumogeln. Die Strasse hat bereits begonnen Eis anzusetzen und während wir uns weiter vorwärtskämpfen kommen wir an diversen, teils haarsträubenden Unfällen vorbei. Nach 20 km Stau ist der Freeway wegen den Strassenverhältnissen komplett gesperrt, dafür rollt der Verkehr wieder. Wie bei einem Tanz auf rohen Eiern fahren wir schlotternd und mit einem äusserst unguten Gefühl langsam weiter. Dann plötzlich gibt Raphaels R den Geist auf. Motor aus und wieder an will er nicht mehr. Ausgerechnet, auch das noch. Sowohl unsere Anzüge wie auch unsere kompletten Motorräder sind inzwischen mit einer veritablen Eisschicht überzogen.

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Der Eisregen setzt sich überall fest

Unsere Vermutung ist deshalb, dass der Eisregen auch auf den Luftfilter gelangt ist und den Luftstrom blockiert. Glücklicherweise entpuppt sich dieser Verdacht als richtig und so können wir nach einem Luftfilterwechsel den von einem nahen Unfall herbeigeeilten Sheriff wieder fortschicken und weiterfahren.

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Mit Eis bedeckter Raphael beim Luftfilterwechsel

Im besseren Schritttempo erreichen wir schliesslich komplett durchgefrohren Van Horn. Die gesamte Landschaft ist nun mit einer zentimeterdicken Eisschicht überzogen. Aus den News erfahren wir dass dieses Naturschauspiel noch einen weiteren Tag andauern wird und so verbringen wir mit vielen anderen gestrandeten Reisenden einen weiteren Tag in Van Horn.

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Auch die Pflanzen werden erbarmungslos vom Eis eingeschlossen

Strom gibt es nur zeitweise. Das Eis auf den Leitungen und Fahrzeuge welche Strominfrastrukturbauten rammen fordern ihren Tribut. Am dritten Tag ist der ganze Spuk vorbei und wir können unsere Fahrt zwar bei immer noch eisigen Temperaturen aber dafür wieder bei Sonnenschein in Richtung San Antonio vortsetzen.

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