Land der Schande

Posted by on 21. November 2013

Man sollte den Vorurteilen, welche einem Land anhaften nicht glauben. Dies ist etwas, was wir auf dieser Reise gelernt haben. Einzige Ausnahme ist Mexiko. Kurzer Rückblick. Wir hatten mittlerweile weit über 30’000 Kilometer zurückgelegt, mehr als 20 Länder bereist und bis dato keine Probleme mit Kriminalität gehabt. Ja wir konnten sogar sagen, dass wir bisher noch keinen einzigen schlechten Menschen getroffen haben. All dies änderte sich schlagartig als wir in Mexiko ankamen.
Nachdem Daniel bei der Polizei den Rapport für sein gestohlenes Portemonai bekommen hatte, verliessen wir Ensenada Richtung Süden. Durch dürres Land flankiert vom Pazifik und einer Bergkette ging es Richtung Santa Maria. Dem Tip der zwei Engländer folgend, checkten wir in einem direkt am Meer gelegen Hotel ein. Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Tankstop Richtung Osten in die Berge. Die Landschaft war immer noch trocken jedoch gesäumt von riesigen Kakteen. In Catavina einem 100 Seelendorf checkten wir in ein gutes, aber mit 90 Dollar auch massiv überteuertes Hotel ein. Wie immer fragten wir nach der Sicherheit und sicherem Parking für die Motorräder. Laut dem Hotelangestellten sei der Parkplatz absolut sicher. Nun ja wir waren im hintersten Winkel ohne Telefon oder Internet. Aus Mangel an Alternativen gings früh ins Bett. Beim Beladen des Motorrad am nächsten Morgen merkte ich das mein geliebter Campingstuhl fehlte. Nicht tragisch aber doch 100 Chf. Möge der glückliche Mexikaner noch lange Freude an meinem Stuhl haben. Offroad ging es Richtung San Felipe auf herrlichen Pisten. Mitten im nirgendwo befindet sich Coco’s Corner. Coco lebt inmitten von liebevoll gesammelten und angerichteten Schrott und Maschinen und das obwohl er beide Unterschenkel amputiert hat. Sein Gästebuch ist legendär und auch wir lassen es uns nicht nehmen es zu signieren. Wir bestaunten Coco’s lustige Artefakte eine Weile, bevor wir weiter Richtung San Felipe fuhren. Eine wahre Inspiration dieser Coco! Am Nachmittag checkten wir im ziemlich teuren Hotel Cortez in San Felipe ein. Dieses Hotel hatten uns andere Motorradfahrer empfohlen. Das Hotel liegt sehr schön direkt am Strand. Wir waren die einzigen Gäste und nach der obligaten Frage nach der Sicherheit entluden wir die Motorräder. Den Rest des Nachmittages verbrachten wir mit Fotos und Bericht onlinestellen und sonstigen Büroarbeiten. Bevor wir essen gingen, nahm ich eine Dusche. Während ich in der Dusche stand, seien laut Daniel ein paar junge Typen auffällig an den Motorrädern vorbei gelaufen und hätten ins Zimmer geguckt. Daniel sagte mir noch bei diesen Typen hätte er kein gutes Gefühl. Unsere primäre Sorge galt den Motorrädern, welche mit abgeschlossenen Seitentaschen draussen standen. Bevor wir Essen gingen zog ich die Vorhänge zu und schloss die Türe gewissenhaft ab. Wir gingen in die Pizzeria um die Ecke und waren eine Stunde fort, als wir zum Hotel zurück kehrten. Sobald ich die Tür aufgeschlossen hatte, signalisierte mein Hirn, dass etwas nicht stimmte. Irgend etwas passte an diesem Bild nicht. Und dann wird aus der Ahnung in Sekundenbruchteilen die bittere Wahrheit. Beide Laptops fehlten, meine Kamera und Handy verschwunden. Dieses Mexiko ist ein ganz schlechter Film. Der hilflose Rezeptionist funkte den Wachmann herbei. Ja richtig das Areal wird von mehreren Wachmännern bewacht und wir waren die einzigen Gäste. Mittlerweile hatten wir auch das aufgebrochene Fenster entdeckt. Kurz nach Eintreffen des noch hilfloseren Besitzers, traff die Polizei ein. Mit verschränkten Armen standen sie da und taten das was sie am Besten können. Nichts! Nach 20 Minuten allgemeines ratlosen Herumgestehes machte Daniel den Vorschlag man könnte ja Spuren sichern. Nein, Nein für das müsse man zuerst eine offizielle Beschwerde machen. Zu Deutsch heisst das, wir haben keine Lust. Immerhin einen Minirapport füllten sie aus. Respektiv sie füllten einen aus für Daniel, mir streckten sie nur noch das unausgefüllte Dokument zur Unterschrift hin. Zuviel Aufwand. Nach einer unruhigen Nacht in welcher ich in meinen Träumen Diebe jagte, kam der nächste Morgen. Mit dem Besitzer ging es auf die Polizei. Auf dem ersten Posten wurde unserer offizieller Rapport angefertigt.

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Nutzlose Quittungen über einen Verlust von mehr als 3000 Dollar

Anschliessend gings nach einer Stunde warten mit diesem Rapport zu den Ermittlern. Eine stämmige junge Mexikanerin nahm sich unserem Fall an. Während sie unsere Geschichte sichtbar amüsiert zur Kenntnis nahm beobachtete ich im Büro vis a vis ein geschleckter Detectiv bei der Arbeit. Minutenlang polierte er seine Lackschuhe und betrachtete sie immer wieder bei unterschiedlichem Licht. Grossartiges Kino. Unsere Ermittlerin hatte selbstverständlich auch keine Lust, konnte sich jedoch immerhin dazu aufraffen unsere Emailadressen aufzunehmen um uns -Zitat- “Immer über den aktuellen Stand der Ermittlungen zu informieren”. Wie absurd. Zurück im Hotel konfrontierten wir den Hotelbesitzer mit der Versicherungs- und Geldfrage. Immerhin hatten wir ihm 80 Dollar gezahlt für die Übernachtung und knapp 2500 Dollar verloren. Plötzlich war nur noch sein Bruder der Besitzer. Nach Rückfrage mit jenem offerierten sie uns ein gratis Mittagessen. Nein Danke. Machtlos und geknickt rasten wir an die amerikanische Grenze, zu verlieren hatten wir nichts mehr.
Nach sieben Tagen in Mexiko und drei verschieden Diebstählen in drei verschiedenen Ortschaften, waren wir froh wieder amerikanischen Boden unter den Füssen zu haben.
Man darf ein Land nicht pauschal verurteilen. Mit einer Ausnahme. Mexiko ist ein Land der Schande.

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