Was man in Mexiko alles verlieren kann

Posted by on 19. November 2013

Von Yuma aus fahren wir los in Richtung Tecate, der mexikanischen Grenzstadt. Schon bald verraten unzählige Fahrzeuge der California Border Patrol an allen Ecken, dass die Grenze zu Mexico nicht mehr weit sein kann. Wenig später taucht in den Hügeln auch schon der an die chinesische Mauer erinnernde Grenzzaun der Amerikaner auf. Eigentlich planten wir noch eine Nacht auf amerikanischen Boden zu verbringen, jedoch werden wir mangels Motels gezwungen weiterzufahren.

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In Mexiko gibt’s keine Mammutbäume dafür dies

Der Grenzübertritt gestaltet sich überraschend einfach. Einen US-Zoll posten gibt es nicht und die Mexikaner erkundigen sich lediglich mündlich ob wir Waffen, Drogen oder Alkohol mitführen. Da wir noch nicht sicher sind wie lange wir im Land verweilen wollen, gehen wir ins Büro nebenan um uns ein Visa zu besorgen. Dies ist ab einer Aufenthaltsdauer von mehr als 12 Tagen vorgeschrieben. Offensichtlich hat der Grenzbeamte keine Kundschaft erwartet und sieht sich etwas verärgert dazu gezwungen, sich von seiner Lieblingsserie im Fernsehen abzuwenden um uns ein Visum auszustellen. Da er möglichst wenig der Soap verpassen möchte geht das Ganze sehr flott vonstatten und nur wenig später verlassen wir Tecate in Richtung Ensenade mit einem 180 Tage Visa für Mexico in der Tasche. Da in diesen Tagen die berühmt-berüchtigte Baja 1000, ein 1000 Meilen Offroad Rennen in der Baja California stattfindet, sind sämtliche Hotels unserer Preisklasse in Ensenada ausgebucht und wir müssen somit mit einem Hostel vorlieb nehmen. Am nächsten Tag bestaunen wir mit grossen Augen das Line-Up der Rennwagen vor dem Start. Wahnsinn diese Trucks. Sehr, sehr, seeehr viel Geld staht da auf den Strassen aufgereiht. Die Top Teams verfügen sogar über einen Team-Helikopter welcher die Fahrzeuge beim Rennen aus der Luft begleitet.

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Start Baja 1000

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Bubenträume…

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…soweit das Auge reicht

Am Abend gehen wir an eine Party, organisiert durch den Hauptsponsor der Rally, Monster Energy Drink. Um eines der in die Menge geworfenen T-Shirts zu ergattern begebe ich mich ins Getümmel vor der Bühne. Trotz vollen Einsatzes erwische ich jedoch keines. Diese Enttäuschung kann mich jedoch nur kurz bekümmern. Ich spüre eine leichte Berührung an meinem Hinterteil, genau auf Höhe meiner Hosentasche. Ein ungutes Gefühl überkommt mich sofortig und einen kurzen Kontrollgriff später habe ich Gewissheit: Soeben hat mir jemand mein Portemonnaie geklaut. Im engsten Umkreis um mich herum 20 Leute. Wer ist‘s wohl gewesen… Wer jetzt denkt der Daniel ist klug und hat bestimmt nur das nötigste dabei gehabt der hat der liegt leider falsch. Abgesehen vom Pass war da so ziemlich alles Wichtige drin. Kreditkarten, EC-Karte, Führerausweis, Identitätskarte und auch eine ordentliche Portion Bargeld. Um 19:00 Uhr ist die gefreute Party für mich leider schon zu Ende. Ich haste zum Hostel zurück und verbringe den Rest des Abends damit mit Notfall-Hotlines der Banken zu telefonieren. Mexico macht seinem Ruf eines der Länder mit der höchsten Kriminalitätsrate zu sein leider alle Ehre. Als wir am nächsten Morgen auf der Strasse einen fliegenden Händler antreffen welcher ohne Skrupel Second-Hand Portemonnaies verkauft schwindet meine Resthoffnung dass das Meinige irgendwie doch wieder auftaucht auf null. Am Abend treffen wir Jon und Andrew wieder, die beiden Engländer mit welchen wir unsere Bikes verschifft haben. Zusammen mit ihnen und vier amerikanischen Motorradfahrern verbringen wir den Abend und den nächsten Tag damit die Rally live mitzuverfolgen.

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Mit 160 km/h an den Zuschauern vorbei

Bald ist uns klar, weshalb dieses Rennen im Schnitt pro Jahr 8 Todesopfer zu beklagen hat. Zuschauer und Fahrer schenken sich nichts. Bereits das 4. gestartete Motorrad erwischt eine der ersten Kurven nicht und rast in die Zuschauer direkt uns gegenüber. Im Gegenzug macht sich die lokale Bevölkerung einen Spass daraus Hindernisse in die Strecke einzubauen. Rampen und Gräben sollen den Zuschauerspass erhöhen. Genau ein solches Hindernis hat für einen der besten Motorradfahrer an dieser Rally fatale Folgen. Er zieht sich bei einem Sturz in der Dunkelheit der Nacht tödliche Verletzungen zu. Ich frag mich wie man als Sieger der Rally seinen Sieg überhaupt geniessen kann im Angesicht der vielen Opfer…

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Tanken auf mexikanisch

Am nächsten Tag statte ich dem lokalen Polizeiposten einen Besuch ab um einen Polizeirapport für den Verlust meiner Identitätskarte erstellen zu lassen. Mit meinem fliessenden Spanisch erkläre ich dem Beamten den Sachverhalt. Nach ca. 30 Minuten und 3 weiteren Polizisten werde ich endlich von einem englischsprechenden Beamten erhört. Er notiert sich alles genau und verspricht dass ich den Rapport am nächsten Morgen abholen kann. Natürlich ist am nächsten Morgen nichts erledigt und so geht dasselbe Spiel nochmals von vorne los, diesmal mit zwei Polizistinnen. Diese sind aber mehr daran interessiert wieviel ich verdiene und möchten meinen Facebook Kontakt. Schlussendlich aber klappt es und ich habe einen Polizeirapport in den Fingern. Oder immerhin ein Papier auf dem irgendwas auf Spanisch geschrieben steht.

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Hart erkämpfter Polizeirapport

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