Mit Biss an den Pazifik

Posted by on 26. June 2013

Nach sechs Tagen ohne Dusche und Kleiderwechsel erreichen wir, wohlduftend nach Schweiss, Antibrumm und zerklatschten Mücken, endlich Khabarovsk, die erste Stadt seit mehr als 2000 km. Trotz unserem völlig verdreckten Erscheinen dürfen wir in ein Hotel einchecken. Nachdem wir unter Einsatz von sehr grossen Mengen an Seife, warmen Wasser und Deodorant wenigstens das Gefühl haben unsere übermässigen Körperausdünstungen losgeworden zu sein, machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Nach 2000 km sumpfigem Urwald und fünf Mal Spaghetti mit Ketchup in Folge werden wir von dem Angebot an verschiedenen leckeren Esswaren beinahe erschlagen. Kaum zu glauben was Khabarovsk alles zu bieten hat, bedenkt man dass es nur wenige Kilometer ausserhalb der Stadt gar nichts gibt. Wir vertilgen innert wenigen Stunden zwei grosse Mahlzeiten und fühlen uns trotzdem nur mässig gesättigt.

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Unser stilechtes Soviet Hotel Turist

Am nächsten Tag brechen wir auf zur wirklich letzten Etappe vor den „Sommerferien“. Nur noch 760 Kilometer trennen uns von Vladivostok. Nur noch einmal campen in diesem unwirtlichen Wald. Das eigentliche Problem dieses endlosen Waldes ist weder dass er in einem ebenso endlosen Sumpf steht, noch dass er auf Dauer depressiv macht. Das schlimmste sind die Milliarden von höchst aggressiven Moskitos. Die Schwärme sind so raumfüllend, dass man sie beim normalen Einatmen durch die Nase hochzieht. Eines Abends versuche ich mangels anderer Beschäftigungen das Mückenproblem mit Gewalt zu beseitigen. Obwohl man stets mehrere Mücken auf einen Schlag in umgeformtem Zustand der Natur zurückgeben kann, bleibt, wie sich wenig später weisen soll, mein Versuch die Mückenpopulation unter Kontrolle zu halten wenig wirkungsvoll. Mit Toilettenpapier und Bärenspray bewaffnet zieht es mich nämlich in den Wald um ein übelriechendes Geschäft zu erledigen.

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Standardausrüstung beim Gang in den Wald: Pfefferspray und WC-Papier

Dabei unterläuft mir ein schwerwiegender Fehler. Während im Normalzustand sämtliche Körperpartien entweder durch die Motorradkleidung oder Antibrumm gegen die lästigen Insekten geschützt sind präsentiert sich beim eigentlichen Geschäft meine Sitzgelegenheit offen gegen sämtliche Angriffe. Ich hatte vorgängig nicht bedacht meinen Allerwertesten mit ordentlich Antibrumm zu behandeln und so muss ich beim Blick zurück feststellen, dass sich in kurzer Zeit mindestens 20 dieser fiesen Biester festgebissen haben. Ungünstig um am nächsten Tag wieder stundenlang im Sattel zu sitzen…

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Letztes Nachtlager vor Vladivostok

Irgendwann aber ist es geschafft. Wir kämpfen uns noch durch die letzten üblen Baustellen vor Vladivostok und passieren dann, nach 24‘000 km seit Abfahrt endlich die Stadtgrenze, in Sichtweite der Pazifik!! Sowohl die Ketten als auch die Reifen haben durchgehalten. Glück gehabt! Nachdem wir im Hotel Azimut neben vielen chinesischen Gästen eingecheckt haben gönnen wir uns in einem deutschen Restaurant eine Mass Bier und bayrische Kost.

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Vladivostok!

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Das haben wir uns verdient!

Weiter geht’s in eine Rock Bar. Bei guter Live-Musik und Unterhaltung durch die lokale Headbanger Fraktion lassen wir den Abend ausklingen und verlassen die Bar rechtzeitig bevor der das Gelage endet wie bei unserem letzten Besuch in einer Rock Bar in Athen…

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Trendige Bar in Vlad. Dass das Bild so verschwommen ist liegt an Raphis Kamera ;-)

Am nächsten Morgen werden wir durch Yuri Melnikov, unserem Verschiffungs-Broker abgeholt. Wir fahren zu einer Waschanlage wo unsere Motorräder peinlichst genau vom Dreck der letzten 24‘000 Kilometer befreit werden.

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So schön sah das Cockpit bei Abfahrt aus…

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…und so 24’000km später

In Vancouver werden die Motorräder auf Sauberkeit geprüft. Fallen sie durch, so wird der Container zurückgeschickt, was wir lieber vermeiden möchten. Beide sind wir froh als wir die Bikes bei Yuri in einem Lagerhaus deponieren können und endlich ohne Zweirad unterwegs sind. Um unsere Verwandlung zum Backpacker zu komplettieren kaufen wir uns in einem chinesischen Laden einem qualitativ sehr hochwertigen Rucksack bzw. eine Tasche mit Bestpreise Garantie und ziehen anschliessend in ein Backpacker Hostel um.

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Zwei Motorradfahrer bauen um zu Backpackern

Obwohl mein neugekauftes Stück chinesischer Wertarbeit bereits beim ersten Anheben in die Brüche geht sind wir am Abend doch glücklich und zufrieden den ersten Abschnitt unserer Reise erfolgreich gemeistert zu haben…und ich bin froh nur noch einen guten Monat warten zu müssen bis ich meinen Schatz wiedersehe. Juhuu!!

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