Taiga Blues

Posted by on 16. June 2013

Etwa 4000 Kilometer trennen uns noch vom Pazifik. Dann haben wir es geschafft. Zugegeben, wir schwingen uns etwas lustlos auf die Motorräder und verlassen nur widerwillig das Oasis in Ulanbataar. Zu einfach und zu schön war das Leben in diesem Bijoux. Aber das Projekt heisst Weltreise und nicht Schnitzelwettessen. Die mongolische-russische Grenze ist bald erreicht und nach 40 Minuten, zu unserer absoluten Überraschung, auch überwunden. Was freundliche und kompetente Zöllner doch für ein Unterschied machen. Aufgrund des flotten Grenzübertritt schaffen wir es bis kurz vor Ulan Ude. Bei Sonnenschein nach Regen campieren wir sehr idyllisch, wären da nicht die Mücken. Die sibirischen Mücken sind legendär und bedürfen einer Extraladung Anti-Brumm um einigermassen vernünftig im Freien hocken zu können.

dscn1577

Campingidylle

Nach dem obligaten italienischen Abendessen geht es aus Mangel an möglichen Aktivitäten schon früh ins Bett. Am nächsten Morgen geht es in die erstbeste Stadt um Vorräte einzukaufen. Ich kaufe mir ein neuen Kanister, da ich im Übermut meinen alten Kanister in der Mongolei zurück gelassen habe. Nun gehen die Beschreibungen über das Tankstellennetz Richtung Vladivostok von “fast keine” bis “alle 100 Kilometer” auseinander, wem soll man glauben!? Und so schnalle ich demütig und unter dem hämischen Lachen von Daniel einen neuen Kanister aufs Heck. Mal sehen ob ich ihn auch brauchen werde.

dsc01356

Bussgang mit Kanister

Nach 600 km endloser Weiten, abgespuhlt auf perfekten Strassen, campieren wir in einem Birkenwäldchen. Toilettenbesuche in Mutter Natur führen wir bewaffnet mit Toilettenpapier und Pfefferspray durch. Schliesslich muss man sich ja wehren können, wenn Onkel Petz auf dem stillen Örtchen vorbeischaut. Der sibirische Tiger ist ja beinahe ausgerottet und somit keine reele Gefahr mehr für Outdoorsitzungen.

dsc01359

Ready for Action!

Am nächsten Morgen stellen wir fest, das unsere Zelte wohl auf einem Ameisenhaufen gestanden haben. Und so verbringen wir viel Zeit damit die Ameisen aus Jacke, Hosen und Helm zu vertreiben, bevor es wieder auf den sibirischen Highway geht. Das während der Fahrt auftretende Krabbeln unter der Kleidung wird mit einem fachmännischen Schlag auf die entsprechende Stelle beseitigt. Bei Chita biegen wir in die M58 ein Richtung Khabarovsk. Khabarovsk ist die nächst grössere Stadt, Entfernung 2097 Kilometer. Diese Distanzen sind ziemlich frustrierend, aber eine Alternative gibt es nicht. Und wieder verschlingt uns die Taiga. Ein Meer von Bäumen, mittendurch eine Schneise auf der wir in hohen Tempo dahin cruisen. Stunde um Stunde. Und nichts passiert. Bäume, Bäume, mal ein bischen Sumpf und wieder Bäume. Nach 700 Kilometer ist schluss für heute. Gezeltet wird am Fluss, gegessen wird italienisch und ins Bett geht es früh. Denn morgen singen wir ihn wieder den ganzen Tag, den Taiga Blues.

 

Leave a Reply