Die grüne Runde

Posted by on 10. June 2013

1000 Euros pro Person! Soviel kostet uns gemäss Offerten der Rücktransport unserer Bikes sowie von uns selber von Magadan nach Vladivostok. Wir staunen nicht schlecht und schauen uns mit grossen Augen an. Wir hatten mit viel weniger gerechnet. Für uns ist bald klar, dieser Betrag ist für uns zu hoch, nur um behaupten zu können in Magadan gewesen zu sein, zumal uns die Verschiffung der Bikes von Vladivostok nach Vancouver im 20 Fuss Container weitere 5500$ kosten wird. Wir beschliessen das Geld und die Zeit für den Abstecher nach Magadan zu sparen und stattdessen eine Zusatzrunde in der Mongolei zu drehen. Während der letzten fünf Tage hatten wir uns im Guesthouse Oasis von den Strapazen der bisherigen Reise erholt und unsere Transportesel wieder auf Vordermann gebracht.

dsc01354

Das Oasis in Ulaan Baatar. Übernachten kann man in konventionellen Zimmern oder landesgemäss in Jurten. Wir wählten Letzteres

Früh morgens, um das tägliche Verkehrsdesaster in Ulaan Baatar zu umgehen, machen wir uns also auf zu neuen Abenteuern. Geplant ist eine ungefähr 1800 km lange Rundreise im Norden der Mongolei. Bald realisieren wir, die Mongolei hat noch viel mehr zu bieten als die karge Wüstenlandschaft die wir bisher im Süden zu Gesicht bekamen. Wir cruisen durch eine wunderschöne, grüne Gebirgslandschaft, immer wieder durchzogen von Flüssen und Bächen.

dscn1519

Die grüne Mongolei

dscn1561

Oft sehen die Brücken so aus…

dscn1551

…so begegnen wir dann dieser Problematik

dsc01342

Einfach nur schön!

Kaum zu glauben nach der Gobi, sogar Bäume gibt es hier! So kommt es dass wir endlich am Abend nach getaner Arbeit gemütlich an einem Lagerfeuer sitzen können. Obwohl wir unser Lager meist Abseits von aller sichtbaren Zivilisation aufschlagen, bleiben wir doch nie unentdeckt. Von irgendwo tauchen immer einer oder mehrere Reiter auf. Das Spiel läuft dann stets nach dem gleichen Muster ab. Die Reiter nähern sich bis auf ca. 20 Meter und bleiben dann aber scheu stehen und begutachten unser Lager zuerst aus der Ferne, trauen sich dann etwas später aber doch zu uns heran um schliesslich jedes Detail unserer Ausrüstung anzuschauen und auch anzufassen.  Interessiert nehmen die Nomaden auch gerne mal auf unseren Sätteln Platz und staunen über die Höhe der Bikes. Im Gegenzug erhalte ich das Angebot eine kleine Runde auf einem Pferd der Besucher zu drehen. Der Besitzer hat grosses im Sinn, vermutlich wegen meiner grazilen Haltung im Sattel ;-) und will das Pferd mit mir oben drauf durch den Fluss treiben. Bevor das Ganze aber mit einer Querschnittlähmung infolge Sturz vom Pferd meinerseits endet steige ich vorher vom hohen Ross runter und bin froh wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Am Ende des Besuchs staunen wir wie die Mongolen wie angeklebt in ihren Sätteln von dannen galoppieren.

dscn1538

Lagerfeuerromatik…

dscn1549

Hoch zu Ross beinahe so elegant wie ein echter Mongole ;-)

Die Tracks welche wir fahren sind teilweise unerbittlich und erfordern ein Höchstmass an Konzentration. Schon kleinste Fahrfehler werden meist gnadenlos mit Stürzen bestraft. Dank unserem gemässigten Tempo bleiben diese aber stets folgenlos für uns, hinterlassen aber an den Motorrädern kleinere Blessuren.

dscn1557

Nein, der Bremshebel der R sollte definitiv nicht so aussehen. Folgen eines Sturzes.

Nach vier Tagen Offroad trennen uns nur noch wenige Kilometer vom rettenden Asphalt. Diese müssen wir aber äusserst hart erarbeiten. Dummerweise ist kurz vor unserer Ankunft ein Wolkenbruch über dem Gebiet runtergegangen und hat die letzten 5 Kilometer der unbefestigten Strasse in ein Schlammdrama verwandelt.

dscn1508

Schlamm…

dscn1574

…soweit das Auge reicht

Fluchend kämpfen wir uns Meter um Meter und Sturz um Sturz vorwärts. Nach mehreren Stunden erreichen wir endlich komplett erschöpft den Anfang der Asphaltstrasse. Sowohl wir als auch unsere Töffs sind von oben bis unten mit einer dicken, klebrigen Schlammschicht überzogen. Man muss das Ganze auch von der positiven Seite her betrachten, der Schlamm schützt vor den Stechmücken. Nach einer weiteren eisigen Nacht im Zelt mit viel Schlottern und wenig Schlaf erreichen wir am nächsten Mittag nach 5 Fahrtagen wieder das Oasis und lassen es uns bei Wienerschnitzel und Bier gutgehen.

dsc01349

Endlich Asphalt

dsc01350

Gibts den Klim Anzug neu auch in braun?!

Leave a Reply