Grenzübertritt mit Hürden

Posted by on 2. June 2013

Ab zur mongolischen Grenze lautet das Motto für den heutigen Tag. Die sintflutartigen Regen- und Schneefälle der letzten Tage sind beinahe vergessen, die Sonne lächelt uns zwischen den Wolken entgegen. Nur die Temperaturen sind immer noch im Keller. Keine guten Voraussetzungen für die Bezwingung eines 2500 Meter hohen Passes welcher noch vor der mongolischen Grenze auf uns wartet. Wie sich im Verlauf des Tages aber zeigen soll, sind die bürokratischen Berge welche wir zu bezwingen haben noch von ganz anderem Kaliber. Aber alles der Reihe nach…

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Merkwürdiges Denkmal auf dem Weg zur Grenze

Kaum abgefahren erreichen wir bereits den russischen Grenzposten. Dieser liegt bereits 25 km vor der geographischen Grenze. Nachdem wir zuerst einmal zum letzten Dorf zurückgeschickt wurden um dort im Immigration Office unsere Immigration Card abstempeln zu lassen, nimmt der Albtraum seinen Anfang. In einem kleinen Büro auf dem Zollareal verlangt eine Dame nach unserer Zolldeklaration. Wir sind uns aber sicher, wir haben beim Grenzübertritt nach Russland nichts Derartiges ausgefüllt. Irgendwann einmal erwähnt die Hexe was von Kasachstan. Uns schwant Böses. In Aktau hatten wir in dreitägiger Arbeit eine Zolldeklaration ausgefüllt. Nachdem wir Kasachstan aber verlassen hatten waren wir beide der Auffassung, dass wir dieses Dokument nun nicht mehr brauchen. Raphi hat das Papier daraufhin in Barnaul entsorgt. Die Hexe beharrt darauf. Ohne Zolldeklaration darf Raphi Russland nicht verlassen. „You go Mongolia“, und zeigt dabei auf mich und „you go Russia“ meint sie zu Raphi. Es vergehen 5 Stunden bis es den Zöllner endlich zu blöd wird und sie Raphi ein Ersatzformular in die Hände drücken. Die Zeit ist nun bereits weit vorgerückt. Da heute Freitag ist, schliesst der mongolische Zoll um 18:00 Uhr und öffnet die Tore erst am Montag wieder. Wir sind also bereits ziemlich gestresst. Die Situation verschärft sich jedoch weiter dramatisch als uns bei der Passkontrolle der russische Beamte darauf aufmerksam macht, dass unsere Visa für die Mongolei bereits abgelaufen sind. Unser Visaagent hat doch tatsächlich Ein- und Ausreisedatum vertauscht und wir haben es nicht mal bemerkt. Danke an dieser Stelle dem Visaagent dafür dass 2 von 3 bestellten Visa fehlerhaft waren. Die Stimmung sinkt von 0 auf -100. Die Mongolei ist eigentlich eines unserer Hauptziele und jetzt droht das ganze Unternehmen zu scheitern. Nachdem wir das Zollprozedere auf russischer Seite endlich absolviert haben, rasen wir, zwar ohne grosse Hoffnung, trotzdem wie die Wahnsinnigen die 25 km zur mongolischen Grenze. Falls wir nämlich nicht in die Mongolei einreisen können droht uns jetzt dass wir für das Ganze Wochenende zwischen den beiden Zollposten auf über 2200 m über Meer in der absoluten Wildnis eingeschlossen sind. Eine äusserst unangenehme Vorstellung bei Temperaturen die bereits am Tag unter null liegen. „Visa invalid“. Die Zöllner auf mongolischer Sete machen keine Ausnahme und gewähren uns mit unseren Visa kein Einlass. Unsere Stimmung ist jetzt wirklich komplett am A….. Plötzlich werden wir jedoch in ein Büro zu einem mit Anzug und Kravatte gekleidetem Herrn gebeten. Dieser zieht aus seiner Schublade unbedruckte Visaschablonen. Mit einem „Pssst“ gibt er uns zu verstehen, dass die ganze Angelegenheit wohl nicht ganz legal ist. 15 Minuten später aber sieht die Welt plötzlich wieder viel besser aus. Für 100 $ druckt uns der ominöse Herr kurzerhand neue Visa und unsere Einreise in die Mongolei ist kurz vor Torschluss um 18:00 doch noch geschafft.

Am Zoll treffen wir zwei andere Motorradfahrer, Greg und Paul, aus England. Die beiden sind wie wir auf Weltreise und auf dem Weg nach Ulanbataar. Wir beschliessen die Mongolei gemeinsam zu bezwingen. Zusammen mit einer australischen Familie mit 4 Kindern welche von Australien mit einem Jeep nach Holland „umzieht“ machen wir uns auf den Weg zu einer kleinen Jurtensiedlung. Hier beziehen wir zum ersten Mal in der Mongolei waschechte Jurten für die Übernachtung.

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Unterwegs mit Paul und Greg

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Erste Übernachtung in der Mongolei – in einer Jurte

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Auf dem Weg nach Olgi erwischt es die australische Familie

Am nächsten Tag fahren wir gemeinsam mit den beiden Engländern los, hinein in die Mongolische Wildnis. Bereits nach wenigen Kilometern zeigt sich jedoch, dass die Motorräder der Engländer, beides BWM 1200 GS, viel zu schwer und wenig geeignet für die sandigen Pisten der Mongolei sind. Paul stürzt ziemlich schwer und verletzt sich, kann jedoch weiter fahren. Sowohl Greg als auch Paul stürzen im weiteren Verlauf des Tages weitere Male. Der nächste Tag wird für die beiden nicht besser. Nach nur 30 km an diesem Tag muss Paul mit schmerzverzerrtem Gesicht aufgeben. Wir beschliessen alle in Khovd ein Hotel zu beziehen um das weitere Vorgehen zu besprechen. Bald ist klar, Paul kann unmöglich weiter fahren, seine Verletzungen an Beinen und Rücken sind zu schmerzhaft. Greg und Paul beschliessen ihre Motorräder auf einen Truck zu laden und so nach Ulanbataar zu fahren. Im Nachhinein die absolut richtige Entscheidung, denn mit ihren schweren Maschinen hätten sie die sandigen Pisten nie bezwungen.

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Ab auf den Truck mit den “Big Ladies”

Am nächsten Tag trennen sich also unsere Wege bereits wieder und Raphi und ich machen uns auf in die mongolische Wildnis. Nach nur 50 km ist bei mir urplötzlich die Luft aus dem Vorderreifen komplett draussen. Mit ca. 70 Sachen rase ich manövrierunfähig über die steinige Piste dahin. Mit Müh und Not kann ich noch einem riesigen Stein ausweichen, danach komme ich erst liegend wieder zum Stehen. Glücklicherweise ist sowohl an mir als auch am Motorrad alles heil geblieben. Beim Versuch den kaputten Schlauch zu ersetzen bemerken wir, dass unsere Pumpe nicht mehr funktioniert. Dies sollte für uns nicht das letzte Problem mit Luftpumpen bleiben…

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Erste Platte ohne Pumpe…

Glücklicherweise borgt uns ein freundlicher Mongole aus einem vorbeifahrenden Jeep die seinige und bald darauf kann‘s weitergehen. Die Fahrt auf den mongolischen Pisten ist äusserst ermüdend. Immer wieder treffen wir auf sandige Abschnitte auf denen man komplett die Kontrolle über das Motorrad verliert und es kommt zu mehreren Beinahestürzen. Das andere Problem ist die wellblech-artige Struktur der Pisten. Fährt man langsamer als 60 km/h sind die entstehenden Vibrationen weder für uns noch für das Motorrad  ertragbar und so brettern wir mit hoher Geschwindigkeit über die Pisten nur um dann wieder auf das nächste gefährliche Sandloch zu treffen. Am Abend stellen wir müde von anstrengenden Fahrt unsere Zelte mitten in der Wildnis auf und geniessen den Sonnenuntergang bei Pasta mit Ketchup.

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Wooow. Entschädigung für den harten Tag

One Response to Grenzübertritt mit Hürden

  1. Melina

    Wunderschöni pics vo de mongolei! Gseht würkli meischtens sehr karg us! Was ihr wieder för distanze hinter euch gla hend, unbelievable!! Bravo und RESPECT!
    Ez hender üchi händ und rugge aber scho mal paar ruhetäg verdiened!
    Gnüssids no ide mongolei!
    En verschiffte graue gruess us zug ;-)
    Und kussi melina

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