Endlich sein in der Unendlichkeit

Posted by on 3. June 2013

Die Mongolei in Bilder zu fassen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Weiten muss man erleben,muss man fühlen.

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Die sanfte Unendlichkeit

Durch die Mongolei führen drei Routen von West nach Ost. Die Nord-, Mittel- und Südroute. Aufgrund der immer noch ziemlich kalten Temperaturen und der unberechenbaren Flüsse, entschieden wir uns für die Südroute, welche entlang der Ausläufer der Wüste Gobi führt. Tagesziel war fürs Erste Altai, eine grössere Stadt mit Wasser und Benzin. Nach einem anstrengenden Tag auf staubigen Pisten werden wir wenige Kilometer vor Altai von einer am Strassenrand stehenden Frau angehalten. Die Familie ist mit dem Jeep auf dem Weg nach Altai und hat kein Benzin mehr. Gerne geben wir meine 6 Liter aus dem Reservekanister, da wir selber noch genug Benzin haben. In diesen riesigen Steppen ist man auf gegenseitige Hilfe angewiesen.

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Endlich können wir auch mal helfen

In Altai checken wir im Hotel ein und lernen den lokalen Goldschmied kennen. Dummerweise ist er zusätzlich auch noch der Dorfalkoholiker. Nichtsdestotrotz fahren wir mit ihm auf den lokalen Markt und kaufen uns eine neue Velopumpe. Anschliessend gehts ins Restaurant, wo unsere Bekanntschaft die ganze Belegschaft gegen sich aufbringt. Wir sind redlich bemüht klar zu machen, dass wir ihn eigentlich auch nicht kennen. Sein Angebot uns auf einen Berg zur Aussicht zu fahren, lehnen wir aufgrund seines Promillegehaltes dankend ab. Daraufhin trottet er von dannen. Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Südost, immer den kleinen Dörfern nach, welche Benzin und Vorräte versprechen.

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Die Strassen fordern ihren Zoll

Daniels GPS hat die Südroute gespeichert und so sind wir flott und zielsicher unterwegs. Als nach geraumer Zeit kein Dorf mehr kommt, obwohl auf der Karte Dörfer eingezeichnet sind und meine Benzinvorräte sich dem Ende zuneigen, wirds Zeit über die Bücher zu gehen. Es stellt sich heraus, das der im GPS eingezeichnete Track viel weiter südlich durchgeht und somit die Tankstellen führenden Dörfer auslässt. Gar nicht gut, zumal es extrem heiss und verlassen ist und somit nicht der ideale Ort um trocken zu laufen. Während ich so dahin fahre und im Kopf konstant versuche auszurechnen, wie weit ich allenfalls noch komme, macht es Pfffff am Hinterrad. Ganz nach dem Motto ein Unglück kommt selten allein, habe ich einen Platten. Bei der Inspektion des Hinterreifen zeigt sich ein grossen Schranz im Reifen selber und der Schlauch liegt blank.

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Gar nicht gut!

Mit fast kein Benzin und einem kaputten Hinterrad werden die so atembraubenden Weiten zu einer bedrohlichen Leere. Wir flicken das Rad notdürftig und müssen zu allem Übel feststellen, dass die neue Pumpe nicht funktioniert. Das Unbehagen gepaart mit Frust steigt ins Unermessliche, als aus dem nichts ein kleines Auto hält. Es schält sich eine ganze Familie aus der kleinen Blechbüchse. Die Familie ist auf dem Weg von Ulanbataar Richtung Westen in ihre Heimatstadt. Ob wir Probleme haben, ist die erste Frage, welche wir mit JA beantworten können. Kein Problem die Familie hat sich extra eine Pumpe für diese Reise gekauft, welche wir benützen dürfen. Nicht nur das, die Familie insistiert, dass wir ihre Pumpe behalten und sie unsere kaputte Pumpe mitnehmen und flicken lassen! Ob wir genügend Benzin haben? Ich nicht wirklich… Kein Problem die Familie füllt ein paar Liter aus ihrem Reservekanister in mein Tank. Wir bedanken uns und machen uns mit dem lädierten Hinterreifen und genügend Benzin auf den Weg. Da die Zeit schon fortgeschritten ist, biegen wir rechts ab, fahren einen Hügel hoch, schlagen die Zelte auf und geniessen die absolute Stille und Weite.

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Endlich sein in der Unendlichkeit

Am nächsten Morgen erreichen wir Asphalt und die erste Tankstelle. Aufgefüllt mit allem geht es zügig Richtung Norden. Die Hügel werden wieder grüner, gleichzeitig sinkt jedoch auch wieder die Temperatur. Nach heftigen Regenfällen fahren wir bei Sonnenschein Richtung Regenbogen. 230 Kilometer vor Ulanbataar schlagen wir unsere Zelt im Schutze grosser Felsen auf. Nach der obligaten Büchse Fleisch mit Pasta geht es früh ins Zelt, da es unablässig regnet. Kurze Zeit später versiegt der Regen und wir werden von Hufgetrampel aus dem Zelt gelockt. Es bittet sich ein Bild, welches spekakulärer nicht sein könnte. Die ganze Landschaft ist in ein leuchtendes Orang getaucht und vor dem Zelt grasen zwei wilde Pferde.

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Magisch

Am nächsten Tag geht es im Eiltempo Richtung Hauptstadt. Der Reifen hält sich bislang wacker. Leider kommen zwei kleine Vögel meinem Töff zu nahe und bezahlen bei Tempo 100 mit ihrem Leben. Strafe folgt zugleich und meinem Hinterrad geht die Luft aus. Da wir nur noch 80 Kilometer von Ulanbataar entfernt sind, wird der Reifen wieder geflickt, in der Hoffnung es hält.

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Pumpe Nummer 3 im Einsatz

Für die letzten 12 Kilometer brauchen wir 2 Stunden, denn wir stehen im Stau. Nichts geht mehr. Fix und Fertig von den Strapazen der letzten Tage erreichen wir das Oasis Guesthouse. Der Name ist Program, eine Oase inmitten einer wildgeworden Stadt.

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