Barnaul, Bikers und der geheimnisvolle Bärenzahn

Posted by on 20. May 2013

Barnaul die Perle Sibiriens und Ausgangspunkt für grosse Abenteuer. Nachdem wir im Hotel Altai eingezogen sind, gings zum lokalen Yamahahändler, denn Service und eine neue Kette waren fällig. Mit dem Service konnten sie uns helfen mit der Kette wurden wir an Victor von Motohaus24 weitergeleitet. Zum Finden nicht ganz einfach, aber dank guter Wegbeschreibung möglich. In einem Industriegebäude, via Rampe in den 2. Stock fahren und dann eine der vielen Stahltüren. Simpel. Nach so einem anstrengenden Tag gings ab in die berühmte Biker Bar Barnaul, Heimat des lokalen Bikerclubs. Dieser nennt sich übersetzt Streitwagen der Strasse. Was aggressiv tönt ist in Wahrheit eine eingeschworene Gemeinschaft von friedfertigen Bikern.

dscn1226

Biker Bar Barnaul

Beim Bestellen der Bikerschlachtplatte, lernten wir Lara und Pascha kennen. Beide Mitglieder des Clubs und so wurden wir spontan auf eine Sightseeingtour mitgenommen. Sozusagen Barnaul by night. Auch wurden wir an die Eröffnung der Bikesaison in Omsk eingeladen. Nach 2-3 Bier tönte das sehr gut, hell yeah wir gehen! Moment wo liegt eigentlich Omsk? Hoppla 1000 km entfernt! Das mag ja für Russen ein Wochenendtrip sein für uns sind das dreimal St Gallen-Genf. Da haben wir wohl den Mund etwas zu voll genommen. Die Vertreter des Bikeclubs Barnaul fuhren schon am Donnerstag in der Nacht ab um die Strecke zu teilen. Wir machten uns am Freitag auf den Weg um spätestes am Samstag in Omsk zum Auftakt des Festes einzufahren. Kurz nach der Stadtgrenze werden wir von einem Polizisten angehalten. Pass und Motorradpapiere reichten ihm nicht. Er wollte umbedingt noch den Führerausweis sehen, bevor er uns weiterfahren liess. Hatte er gedacht wir seien von der Schweiz nach Russland gefahren ohne das wir Motorradfahren können. Was solls… Die sibirische Taiga verschlingt uns bis Novosibirsk. Endlose Wälder und eine gerade Strasse, das Leben kann so einfach sein. Vor Novosibirsk wurden wir gewarnt, viel Verkehr und zweifelhafte Menschen. Ersters können wir bestätigen, wir stehen im Stau. Plötzlich hupt es und neben uns steht ein junger Biker auf seiner 250ccm Honda. Woher wir kommen, wohin wir wollen, ob wir technische Hilfe bräuchten und ob wir Hunger hätten. Diese Informationen werden im drückenden Verkehr von Novosibirsk ausgetausch. Anschliessend meint er wir sollen ihm folgen, er werde uns begleiten. So kurven wir mehr als eine Stunde unter fachkundiger Anleitung durch die 1.3 millionen Stadt. An der Stadtgrenze zeigt der Biker uns die Strasse nach Omsk, zündet sich eine Zigarette an und kehrt um. Spaciba! Zweiteres können wir verneinen. Es folgen 700km durchs sibirische Marschland. Eine Moorlandschaft durchzogen von kleinen Birkenwäldchen. Eine wahre Prüfung für Geist und Seele. Nach 14 Stunden Quälerei bei niedrigen Temperaturen und mitunter strömemden Regen fahren wir in Omsk ein. Das erste Hotel hat kein Platz, das zweite auch nicht, zum Glück bietet das Dritte Unterkunft gegen viel Geld. Komatös beschreibt den Schlaf am besten der folgt. Das Programm des Bikerfestival sag, Beginn um 10 Uhr morgens. Und gute Schweizer wie wir sind, stehen wir Punkt 10 Uhr auf dem Festgelände. Wir sind nicht die einzigen, aber viele Bikes sind es nicht gerade. Zum Glück füllt sich der Platz nach und nach mit Motorrädern aller Marken und Grössen. Vom 50 ccm Roller bis zur 8000 ccm Boss Hoss ist alles vertreten. Es wird gefachsimpelt, bestaunt und am Gas vedreht. Je lauter desto besser. Das interesse an den zwei Exoten ist gross und so erzählen wir, wie es kommt das zwei Schweizer in Omsk landeten. Auch wenn es manchmal anstrengend ist immer die gleiche Geschichte, und oftmals via schlechter Kommunikation, zu erzählen, sind wir es den Menschen die sich für uns interessieren schuldig. Es folgen Folklore-Einlagen, offizielle Ansprachen von der Ministerin für Transport, Wahl des schönsten Bikes (der Clubpräsident von Barnaul gewinnt), Wahl Miss Festival (Die Gewinnerin konnte einen Ballon am schnellsten aufblasen und zum Platzen bringen, was auch immer dieses Talent aussagen mag….) und Wahl des lautesten Motorrad. Alle Mann in Deckung, diese Fehlzündungen blasen dir das Trommelfell raus! Eine besondere Ehre wurden uns zuteil. Wir wurden ausgezeichnet als die Motorradfahrer mit dem längsten Anfahrtsweg. Immerhin 15’000 km. Unter warmen Applaus richteten wir ein paar Worte an die Festgemeinde, bevor es überging zum absoluten Highlight. Motokolonna! Aufgereiht in einer Zweierreihe ging es durch die komplett abgesperrte Innenstadt von Omsk! Eine immerhin 1.2 Millionen Metropole wurde für circa 200 Biker lahmgelegt. Grossartig!

dsc01216

Spaciba Omsk

Schluss war auf einem Festgelände am Fluss gelegen mit dem Sinnigen Namen Piraten Insel. Wir zelten auf Einladung mit dem Honda Africa Twin Club von Biysk und werden sehr herzlich aufgenommen. An Essen und vorallem Trinken mangelt es natürlich nicht. Besonders der hausgemachte russische Schnaps, Samagon, fliesst in Strömen. Es wird auf die Familie, die Gäste, Freundschaft und Motorräder getrunken. Wichtig dabei immer gut essen, auch wenn man Tomatensalat nicht gern hat….. Wir sind beliebtes Fotomotiv und lernen geschätzte tausend Leute kennen. Und alle geben ihre Telefonnummer oder die ihrer Kollegen in fernen Städten, falls wir Probleme haben. Auf der Bühne spielt eine Coverband, es gibt eine Feuershow und ein kleines Feuerwerk.

dscn1272

Rock n Roll

Auch Russen werden besoffen, und wenn sie kaum mehr stehen können, wechseln sie auf Bier um auszunüchtern. Faszinierendes Schauspiel. Daniel verliere ich früh am Abend und finde ihn später wieder friedlich schlafend im Zelt. Bald ist Mitternacht und ich werde ein Jahr älter. (An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Gratulanten!) Plötzlich hockt ein topfiter Daniel wieder am Lagerfeuer, einzig wie der Bährenzahn an sein Schlüsselbund kam, bleibt ihm ein Rätsel. (Und wird es wahrscheinlich für immer bleiben.)

dscn1295

Der geheimnisvolle Bärenzahn

Am nächsten morgen packen wir hurtig unserer Sachen und machen uns auf den Weg nach Novosibirsk. Unterwegs meint Daniels Reglerstecker er müsse zicken, wird jedoch wieder fachmännisch repariert. In Novosibirsk stehen wir ratlos am Strassenrand auf der Suche nach einem Hotel, als ein Geländewagen hält. Da eine Wegbeschreibung zu kompliziert ist, lots der nette Biker uns kurzer Hand eine halbe Stunde durch Novosibirsk! Schon wieder! Kaputt von 2000 Kilometern, mit kaputter Kette und kaputten Reifen fahren wir am nächsten Tag, um viele Abenteurer reicher in Barnaul ein. Spaciba Sibiria!

dscn1289

Wir haben alles gegeben…

Leave a Reply