Die Folgen der Kasachischen Strassen

Posted by on 13. May 2013

Nachdem wir die Kasachische Metropole Almaty hinter uns gelassen haben, durchqueren wir das riesen Land ein zweites Mal von Süden nach Norden. Wieder begegnet uns vor allem eines, nämlich unendliche Leere. So kommt es auch, dass wir zwei Nächte hintereinander Campieren. Für die zweite Nacht finden wir abseits der Strasse direkt an einem kleinen Fluss gelegen einen sehr einladenden Lagerplatz.

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Gemütlicher Lagerplatz, wenn da die Mücken nicht wären…

Als wir unsere Zelte aufgestellt haben taucht aus dem absoluten nichts plötzlich ein Reiter auf. Auch er scheint sehr überrascht hier auf andere Menschen zu treffen. Wir begrüssen uns gegenseitig, wirklich verständigen können wir uns aber nicht. Der Reiter ist wohl ein Hirte auf der Suche nach seiner Kuhherde und nach ein paar Worten reitet er auch schon weiter. Zum Abendessen gibt’s eine Kasachische Spezialität. Pferdeeintopf aus der Dose, dazu Pasta mit Ketchup.

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Mmmh Pferdefleisch aus der Dose

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So schön ist Kasachstan!

Nach einem weiteren wunderschönen Sonnenuntergang legen wir uns schlafen, oder zumindest versuchen wir es. Die Nacht wird bitterkalt. Trotz zwei Lagen Thermounterwäsche gibt mir mein Sommerschlafsack selbst in Embryonalstellung nicht genügend Wärmedämmung als dass an einen erholsamen Schlaf zu denken wäre. Das Motto lautet eher, wann geht endlich die Sonne wieder auf!! Irgendeinmal ist es dann endlich soweit, die Sonne bemüht sich im Osten über den Horizont und schickt ihre wohlig wärmenden Strahlen in Richtung Zelt. Bald jedoch ist es des Guten zuviel und es wird drückend heiss unter der Zeltplane. Was soll‘s es ist eh Zeit zum Aufstehen, schliesslich wollen wir es 450 km bis nach Semey schaffen. Bald darauf fahren wir los. Weit kommen wir allerdings nicht. Keinen Kilometer gefahren und schon geht an meinen Motorrad eine gelbe Warnleuchte an. Der Takt des Blinkens der Lampe verrät uns zusammen mit dem Werkstatthandbuch: „Errorcode 46, Power supply to the fuel injection system is not normal“. Tönt erstmal nicht so dramatisch aber beim Lesen der möglichen Ursachen sinkt die Stimmung. Entweder ist der Wechselstromgenerator hinüber oder der Gleichrichter hat seinen Dienst quittiert. Die angezeigte zu tiefe Spannung wird durch die Tatsache bestätigt, dass sich der Motor nicht mehr starten lässt. Der Anlasser gibt nur noch ein widerwilliges Grunzen von sich. Die Batterie wurde also nicht mehr geladen. Nachdem wir die Z via Raphis Batterie wieder starten konnten messen wir die Spannung vom Wechselstromgenerator. Da diese normal ist nehmen wir uns der zweiten Möglichkeit an und befestigen Raphis Gleichrichter mit ein paar Kabeln behelfsmässig an der Z. Tatsächlich läuft so alles wieder wies soll, die Batterie wird wieder geladen. Scheiss Diagnose! Wie soll man mitten in der Kasachischen Pampa einen Gleichrichter auftreiben?! Wir beschliessen erstmals irgendwie nach Semey durchzukommen. Wir bauen Raphis vollgeladene Batterie der R in die Z ein und die der Z in die R um sie wieder zu laden. Zusätzlich stecken wir alle nicht unbedingt benötigten elektrischen Verbraucher wie Licht und GPS aus um die Lebensdauer der Batterie zu erhöhen. Wir hoffen so dass in der Zeit bis die Z die Batterie leergesaugt hat die R die andere Batterie bereits wieder geladen hat. Weit kommen wir allerdings nicht. Streng nach dem Sprichwort „Ein Unglück kommt selten allein“, fliegt mir plötzlich das im Cockpit befestigte GPS um die Ohren. Die teure Touratech Navigationshalterung war den Kasachischen Strassen auch nicht gewachsen und ist gebrochen. Das ist auch der Grund weshalb wir im Moment keine gefahrenen Routen aufzeichnen können.

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Die Überreste der Navihalterng von Touratech

Die Batterie hält ziemlich genau eine Stunde, dann geht die gelbe Warnlampe wieder an. Glücklicherweise ist die andere Batterie inzwischen voll geladen. So geht es weiter. Alle 120 km  Gepäck abladen, Batterien tauschen und dann noch Überbrücken um den Motor der R trotz leerer Batterie wieder zu starten. Irgendwann einmal, spät am Abend, schaffen wir es aber doch nach Semey wo wir ein Hotel mit Internet beziehen. Eifrige Recherchen im Internet zeigen, dass das aufgetretene Problem mit dem Gleichrichter wohl kein Einzelfall ist. Ursache ist nicht der Regler selbst sondern der Stecker, welcher durch die Vibrationen seinen Kontakt verliert und zu schmelzen beginnt. Die gute Nachricht, vielleicht ist der Regler gar nicht defekt. Am nächsten Morgen „modifizieren“ wir den Stecker und verbinden ihn wieder mit dem Regler. Oh Wunder die Ladespannung beträgt wieder 14.35 V. Juheee!! So nun habe ich euch aber genug mit technischen Details gelangweilt. Von diesem Erfolg beflügelt machen wir uns auf zur nahen Russischen Grenze. Nach einer guten Stunde sind die ganzen Formalitäten erledigt und wir betreten das grösste Land der Erde. Bereits bei der Abfahrt in Semey ging eine steife Brise, in der Zwischenzeit ist diese aber zu einem Sturm angewachsen, dagegen war Lothar ein laues Sommernachtwindchen. Glücklicherweise weht der Wind ziemlich in unsere Fahrtrichtung und ermöglicht es Raphi trotz sehr knappen Tankinhalt Barnaul zu erreichen, denn gegen US-Dollar wollte uns niemand Benzin verkaufen und etwas anderes hatten wir noch nicht. Mit Nackenstarre vom Wind und durchfroren checken wir im erstbesten Hotel ein und gehen danach ungewollt sehr teuer nachtessen. Eigentlich hätten wir es merken müssen als der Türsteher des Restaurants unsere Garderobe bemängelte. Aber man gönnt sich ja sonst nichts…

4 Responses to Die Folgen der Kasachischen Strassen

  1. Melina

    Hey jungs!
    Ich glaube das tier uf de büchse isch en hund und kes ross..und es zeigt für wers dänkt isch und nid was dinne isch;-)
    Ich bin sehr beidruckt was ihr scho gschafft hend! Seehr cool! Bin jo gspannt wies mit üchne töff wiiter gaht! Üchi text sind immer no de hammer, wiiter so :-) und bhaltid de humor, denn so sind die lange text über technik sehr churzwiilig! Ich drucke eu wiiterhin duume! TOITOITOI :-)
    pozeluij melina

    • Dani

      Hmm das würd einiges erkläre. Han am Raphi no gseit das schmöcki genau wies büchsefuetter wo eusi chatz amis bechoo hät… :-)

  2. Fredi

    Hei Dani und Raphi,
    Danke für die lustigen Berichte! Zitate wie ” Ursache ist nicht der Regler selbst sondern der Stecker…” waren auch während meiner Diss gern gehört. Falls es einmal aber tatsächlich ein Problem mit dem Regler geben sollte, empfehle ich, einen Experten einzufliegen. Glücklicherweise kenne ich da einen, der sehr sehr wahrscheinlich dazu erweichen liesse :-)
    Alles Gute auf eurer abenteuerlichen Weiterreise und viele Grüsse aus Vancouver,
    Fredi

  3. Gene Pool

    Уважаемые Рафаэля!

    Мы Вы пожертвовали сто франков для вкусного ужина!

    Кроме того, мы платим почтовые расходы за топливный бак!

    Приятного дня!

    Мы по-прежнему желаем вам счастливого пути!

    Мама и папа

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