Die unendlichen Weiten Kasachstans

Posted by on 6. May 2013

Kasachstan scheint trotz seiner unglaublichen Grösse wenig Abwechslung zu bieten. Man fährt Tag um Tag und immer das gleiche Bild. Von einer Hügelkuppe sieht man eine schnurgerade Strasse die sich bis zum Horizont erstreckt. Hat man den Punkt am Horizont erreicht wiederholt sich das gleiche Spiel.

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Strasse ohne Ende

Die Vegetation ist äussert karg nur wenige Gräser und kleine buschartigen Gewächse bevölkern den sandigen Boden. Grössere Sträucher oder gar Bäume sind äussert selten anzutreffen. Die einzige Spannung die sich uns beim Fahren bietet ist, wie die Strassenqualität auf dem nächstem Reiseabschnitt wohl sein wird. Diese scheint keiner Logik zu folgen. Plötzlich beginnt ab einer löchrigen Kiesstrasse eine beinahe autobahnmässig ausgebaute Strasse mit Fussgängerstreifen und allem was dazugehört – mitten im nichts. Ich würde sehr viel wetten, dass noch nie überhaupt ein Fussgänger diesen Zebrastreifen benützt hat. Wenige Kilometer weiter dann zu unserer Enttäuschung wieder nur noch Schlagloch an Schlagloch. Der Vorteil dieser unendlichen Wildnis ist, dass man sehr einfach einen schönen Campingplatz findet und über Nacht von niemandem gestört wird, höchstens von neugierigen Kühen, Pferden und Kamelen.

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Campingplatz auf einem Hügel mit einmaliger Aussichts ins Nichts

Mit der Nahrungsbeschaffung haben wir so unsere Mühe. Im Restaurant wird uns jeweils die Speisekarte vorgelegt. Natürlich ist da alles in Russisch und erschwerend auch noch in kyrillisch geschrieben. Ohne eine Ahnung zu haben was wir bestellen tippen wir auf einen beliebigen Menupunkt auf der Karte. Man muss hier noch wissen, dass die Kasachen gerne mit vielen tierischen Innereien kochen und so passiert es mehrmals, dass wir undefinierbare tierische Nebenerzeugnisse auf unseren Tellern wiederfinden. Da wir aber am Abend immer hungrig sind wird trotzdem alles brav aufgegessen. Eines Abends werden wir von einer Gruppe Kasachen angesprochen. Einer der Gruppe, sehr die Ausnahme in Kasachstan, spricht ein paar Brocken Englisch. Bald haben wir ohne viele Worte eine lustige Runde beieinander. Wir erhalten von den Kasachen je einen Kniegelenksknochen eines Schafes, welchen sie als Schlüsselanhänger benützen.

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Knieknochen eines Schafes als Glücksbringer

Ein Höhepunkt oder wohl eher einen Tiefpunkt unserer bisherigen Reise durch Kasachstan bildet der Aralsee. Dessen Zuflüsse wurden seit den 60er Jahren für die Bewässerung von Baumwollfeldern missbraucht und so endet der See und seine Umgebung in einer der grössten von Menschenhand gemachten Umweltkatastrophe der Geschichte. Der einstmals viertgrösste See der Erde ist heute beinahe komplett ausgetrocknet und hinterlässt riesige mit Salzstaub bedeckte Ebenen. Das einstig blühende Fischerstädtchen Aralsk in welchem wir übernachten liegt heute mindestens 30 Kilometer von den Überbleibseln des Aralsees entfernt. Eine Hafenanlage, Schiffe auf dem Trockenen und Bilder aus besseren Zeiten in den Restaurants zeugen von glücklicheren Tagen.

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Sowohl der Hafen von Aralsk..

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…als auch das Hotel in der Stadt haben ihre besten Zeiten hinter sich

Anders wie in Lonley Planet beschrieben ist die Polizei bisher absolut kein Problem. Nur einmal werden wir von einer Polizeipatrouille angehalten. Wir erhalten aber keine Busse sondern Tips welches Hotel wir wählen sollen. So kommt es dass wir dank der Kasachischen Polizei endlich wieder mal ein anständiges Hotel mit Internet finden, sodass wir wieder mal einen Blogeintrag erstellen können.

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